Wie alles begann: Oceanus
Zu Urzeiten hiess der Meeresgott Oceanus (auch Okeanos).
Zu Urzeiten ist leicht übertrieben, denn die ersten Menschen fuhren noch kaum zur See. Sie hatten deshalb andere Götter, die ihnen wichtiger waren und denen sie huldigten.
Im grossen Stil segelten erstmals die Griechen und die Kreter auf den Weltmeeren und in den Anfängen ihrer Hochkultur herrschte eben Oceanus vom Geschlecht der
Titanen über die Wasser. Zusammen mit seiner Frau Thetys zeugte er dreitausend
Söhne und die dreitausend Nymphen. Er wird bärtig, mit Urne und ähnlichen
Attributen dargestellt.
Oceanus war mehr als nur ein Gott. Ursprünglich personifizierte er den Weltstrom, der nach
damaliger Ansicht die Länder der Erde umfloss, später dann einfach das
Weltmeer. Dieser urzeitliche Weltstrom ging aus der Vereinigung von Himmel und
Erde hervor und war nach Homer und Hesiod der Ursprung aller Götter.
Das Wort Gott hatte dazumal eine andere Bedeutung als heute. Ein Gott war nicht eine numinose,
schwer fassbare Macht. Die Götter waren nahe beim Menschen, recht konkrete,
sehr starke Figuren, aber alles andere als allmächtig. Sie waren schön oder
hässlich, hatten ihre Stärken, ihre Schwächen, ihre Leidenschaften, ihre Macken
wie die Menschen auch. Was sie dem Menschen voraus hatten, waren besondere
Kräfte und Unsterblichkeit. Die ersten Menschen wurden nach griechischem
Glauben von diesen Göttern gezeugt. Der Mensch entstand also nicht in einem
einmaligen Schöpfungsakt wie Adam und Eva. Und ein Grieche der damaligen Zeit,
der etwas auf sich hielt, konnte seinen Stammbaum bis zurück zur Göttin und zum
Gott, die seine ersten Ahnen gezeugt hatten, dokumentieren.
Bevor wir weiterfahren vielleicht doch noch ein paar einleitende Worte:
Was im Folgenden erzählt wird, sind nicht unbedingt schöne, gefällige Geschichten.
Die frühe Mythologie schwelgt in Ungeheuern, Blut und Unmoral. Die Geschichten
mögen zum Teil befremdend und seltsam auf uns wirken. Wir müssen uns zum
besseren Verständnis vorstellen, dass wir drei- bis viertausend Jahre in der
Zeit zurück reisen; in eine Zeit, die rauer ist als die unsere. Umzingelt von
Barbaren, war das Leben auch in den aufkommenden Hochkulturen alles andere
als ruhig und gesichert. Erste Priorität war es, möglichst viele Nachkommen zu
zeugen, um das Ueberleben des Volkes zu sichern. Keine Kinder zu haben, galt in
dieser Zeit deshalb als Schande. Sechstausend Kinder zu haben wie Oceanus und
Thetys schon das allein erhob die beiden in den göttlichen Stand. Zweite
Priorität war in dieser Zeit, selbst zu überleben wie, war dabei nicht so
wichtig. Sitten und Moral waren erst langsam am entstehen und nicht zu letzt
bricht das Barbarische ja auch in der heutigen Zeit noch immer wieder durch.
Doch zurück zu Oceanus:
Oceanus ging also aus der Vereinigung der göttlichen Urahnen, dem Himmel (Uranos) und der Erde
(Gaia) hervor. Er hatte noch fünf Brüder und sechs Schwestern. Diese nannte man
die Titanen. Sie verkörperten gewaltige, einer geregelten Weltordnung
widerstrebende Kräfte. Einige von ihnen hatten fünfzig Köpfe und hundert Hände.
Vater Uranos liebte sie nicht besonders und verbannte sie deshalb in den
düsteren Hades, die Unterwelt der Griechen. Gaia aber, war das gar nicht recht.
Sie machte deshalb den Titanen den Vorschlag, ihren Vater umzubringen. Einer
von ihnen, Kronos, erklärte sich bereit, diese Aufgabe zu übernehmen. Da freute
sich die gewaltige Gaia von Herzen, barg ihn in sicherem Versteck, gab ihm eine
Sichel und weihte ihn in alles ein, was er wissen musste.
Mit der Nacht kam Uranos, der Himmel, schlang sich sehnend, voller Liebe um Gaia, die Erde, und
dehnte sich unendlich weit. Da tat Kronos sein Werk! Er entmannte seinen Vater
und warf die Genitalien ins Meer. Das geschah nun nicht einfach so, sondern wir
müssen uns das Ganze als Drama mit nahezu endzeitlichem Charakter vorstellen:
Vom verletzten Himmel (Uranos) regnete es Blut auf die Erde (Gaia) herab. Als
die Blutstropfen die Erde trafen, verwandelten sie sich in die schrecklichen
Furien. Diese werden in Zukunft jeden Uebeltäter verfolgen und keine Untat
ungerächt sein lassen.
Aus dem Schaum aber, der sich um das Fleisch von Uranos bildete, als es auf dem Wasser schwamm,
wurde Aphrodite, die Liebesgöttin, geboren (aphros = Schaum). Die
Schaumgeborene schritt auf einer grossen Kammmuschel daher und ging in Zypern an Land.
Nach dieser schrecklichen Tat eroberten die Titanen den Olymp und setzten Kronos auf den
Thron. Dieser heiratete seine Schwester Rhea. Da ihm aber vorausgesagt war,
dass er, wie sein Vater, von einem seiner Söhne abgesetzt werde, verschlang er
alle seine Kinder. Zeus entging ihm jedoch, denn Rhea gebar ihn heimlich auf
Kreta. Als Zeus erwachsen war, setzte er, die Prophezeiung erfüllend, Kronos ab
und zwang ihn, alle seine Kinder wieder auszuspeien. Im Olymp kam es darauf zum
Generationswechsel: Die olympischen Götter unter Zeus lösten die Titanen ab.
Zeus stiess die Titanen - und damit Oceanus - zurück in die Eingeweide der
Erde. So war im Wasserreich Platz für einen Gott freigeworden...
Götterkönig Zeus, teilte nun mit seinen beiden Brüdern Poseidon und Hades die Welt
durch das Los. Er selbst gewann den Himmel, Hades bekam das Erdinnere und Poseidon die Welt der Wasser.
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Alias Poseidon
Im Folgenden wird vor allem von Poseidon die Rede sein, denn so heisst Neptun auf griechisch und kretisch. Diese Kulturen beherrschten mit ihren Flotten lange Zeit das Mittelmeer und für sie
war Neptun deshalb ein wichtiger Gott. Erst die Römer nannten ihn Neptun, für sie war dieser Gott jedoch identisch mit dem griechischen Poseidon. Die Römer aber waren schlechte Segler; unter
ihnen wurde der Meeresgott zu einer zweitrangigen Figur. Aus römischer Zeit sind denn auch keine Geschichten mehr überliefert, in denen Neptun mitspielte. Neptuns Brüder hiessen bei den Römern Jupiter (Götterkönig) und Pluto (Totenkönig), sein Vater hiess Saturn.
Neptun/Poseidon wird dargestellt als bärtiger Mann mit Dreizack, oft begleitet von
einem Delphin. Er reitet auf verschiedenen Darstellungen auch auf einem Delphin
oder auf einem Pferd. In anderen fährt er mit seinem von Pferden gezogenen,
goldenen Wagen über das Meer oder gleitet darüber, sitzend in einer
Muschelschale, die von Pferden gezogen wird. Auf Neptuns Kommando heben die
Winde an und die stärksten Stürme beginnen. Unter den Rädern seines Wagens
aber, wird die See wieder friedfertig und spiegelblank.
Poseidons Kraft kommt gleich nach derjenigen des Götterkönigs Zeus mit seinen alles
zerschmetternden Donnerkeilen. In seinen Gewässern geborgen, betrachtet er
sich allerdings, als seinem Bruder Zeus völlig ebenbürtig. Seine Waffe ist der
Dreizack, mit dem er die Erde beben lässt und mit der er alles zerschmettern
kann. War er zornig, tobte er sich aus, indem er Berge spaltete und sie ins
Meer warf - wohl der Grund dafür, dass die Aegäis so reich an Inseln ist. Ein
Glück, wenn er sich so abreagieren konnte, denn sonst drohte der Welt
Schlimmeres
Verehrt wurde Poseidon auch im Landesinnern, da er nicht nur über das Meer, sondern
auch über die Flüsse und die Quellen gebot. Gehuldigt wurde ihm als Gott der Erdbeben, der Heirat, der Fruchtbarkeit, der Kriegswagen, der Pferde und der Delphine.Es gab weitere Wasser-
oder Flussgötter, Poseidons Vorherrschaft war aber unbestritten. So gab es im
Meer noch Nereus, den alten Mann des Meeres, die Nereiden (Nymphen des Mittelmeeres),
die Naiaden (Nymphen des Süsswassers) und die Okeaniden (Nymphen der Ozeane).
Dann gab es Götter, die als Quellen hervorsprudelten oder solche, die als
stattliche Ströme dahinflossen, wie Maiandros oder Spercheios. Die alten
Griechen hatten den Polytheismus par excellence: Kein noch so kleines
Plätzchen, an dem nicht irgend eine Göttin oder ein Gott hockte.
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Wettstreit um Attika
Dies ist keine
Erfolgsstory für Neptun; als getreue Chronisten können wir sie aber deshalb
nicht einfach übergehen: Poseidon wetteiferte mit Athene, der Hauptgottheit
Athens, um die Herrschaft über Attika. Um seine Kraft und seine Macht zu
demonstrieren, schleuderte er den Dreizack auf die Akropolis und bewirkte
damit, dass eine Salzwasserquelle daraus hervorsprudelte. Der Abdruck seines
Dreizacks auf der Akropolis wird heute noch Touristinnen und Touristen
vorgeführt. Athene liess sich davon aber nicht besonders beeindrucken und
pflanzte darauf einen Olivenbaum. Das Volk von Attika beurteilte Athenes Tat
als wertvoller und machte sie zur Hauptgottheit. Es war aber weiterhin
vorsichtig bemüht, auch Neptun die gebührende Ehre zu erweisen.
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Grosse Liebe: Amphitrite
Die Meeresnymphe Amphitrite war die Enkelin des Titanen Oceanus und die Tochter von Nereus. Auf Naxos sah Neptun sie tanzen. Das brachte seine Sinne in Aufruhr und sein Blut ins Wallen. Das war Liebe auf den
ersten Blick! Und er wäre nicht Neptun gewesen, wenn er lange gezögert hätte.
So fragte sie denn gleich, ob sie ihn heirate. Allein Amphitrite, wies in ab.
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Was macht Neptun jetzt?
Schickt er eine Sturmflut?
Ein Erdbeben? Ein Rosenmeer?
Oder wie? Oder wo? Oder was?
Was er schickt und natürlich noch viel
mehr, erfährst du in der nächsten Folge:
Neptun und die Liebe
Exklusiv im nächsten
CLUBHEFTLI!
Jürg Hauri
(1) Will Durant. Kulturgeschichte der Menschheit. Band 3 bis 6:
Das Leben Griechenlands.
Dieses Werk diente als Hauptquelle.
(2) dtv-Lexikon (1975,1976)
(3) Meyers Taschenlexikon, BI-Taschenbuchverlag (1996)
(4) http://www.windows.umich.edu/cgi-bin/tour.cgi?link=
/mythology/Definitons_gods/Poseidon_def.html
University of Michigan/Windows to the Universe
/classical mythology/roman and greek
(5) http://www.gwydir.demon.co.uk/jo/roman/neptune.htm
Edkins Family Index Page: About the roman Gods
(6) http://thundercrash.simplenet.com/myth.htm
Thunder Crash's Ultimate Sailor Neptune Shrine:
Neptune/Poseidon Myhology
(7) http://www.mythweb.com Mythweb/Gods/Heroes
(8) http://encarta.msn.com/conciseindex/64/06440000.htm
Neptune (mythology)-Microsoft® Encarta®
Online Encyclopedia 2000
(9) http://www.hol.gr/greece/titans.htm
Hellas On Line/Greece/Mythology & History/
The Ancient Gods
(10) http://hsa.brown.edu/~maicar/Waters.html
Carlos Parada/The Greek Mythology Link/
Divinities of Waters & Landscapes
Die angegebenen Internetadressen sind zum Teil nicht mehr gültig. Funktionierende Links zum Thema Neptun finden Sie auf unserer Linkseite.
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