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    CLUBHEFTLI   TAUCHCLUB  NEPTUN  MUTTENZ   HEFT 3/2001

Die Neptunsage
4. Teil:

Tausend Schiffe gen Troja

Neptun

Inhalt 4. Teil:
Der Trojanische Krieg
Odysseus
Neptun heute


In der Zeit, von der die CLUBHEFTLI-Geschichte handelt, vollbrachte Neptun seine Taten noch unter dem Namen Poseidon, denn so nannten ihn die alten Griechen.


Der Trojanische Krieg

Als die Griechen mit tausend Schiffen gen Troja fuhren – sei es nun, wie es die Sage will, Helenas wegen oder weil sie sich grosse Beute, den Besitz des Hellespont und der reichen Länder um das Schwarze Meer erhofften – schliefen die Götter nicht …

Helena war die Tochter von Zeus und von Leda – der Inbegriff weiblicher Schönheit. Ihr Gemahl, Menelaos, war König von Sparta und einer der tapfersten Helden vor Troja. Helena wurde von Paris, dem Sohn des trojanischen Königs Priamos, entführt und die Griechen wollten Helena zurückhaben. Auch dass Paris Helena entführte, hatte seine Vorgeschichte bei den Göttern und zwar bei Eris, der Göttin der Zwietracht: Zur Hochzeit des Peleus und der Thetis nicht eingeladen, entfesselte Eris Streit unter den Göttinnen Hera, Athene und Aphrodite, indem sie einen goldenen Apfel mit der Aufschrift „Der Schönsten” unter die Gäste warf – den „Erisapfel” eben, heute eher als „Zankapfel” im Sprachgebrauch. Paris entschied diesen Streit zugunsten von Aphrodite, die ihm dafür das schönste Weib, die Helena, zur Ehe versprach.

Nach der demütigenden Entführung sammelten die Griechen die Streitkräfte sämtlicher Stämme, rüsteten hunderttausend Mann und stachen mit einer noch nie da gewesenen Armada in die See, um Helena zu befreien.

Im trojanischen Krieg unterstützte Poseidon (Neptun) die Griechen zusammen mit Athene. Wenn er es nicht gewollt hätte, wäre wohl schon keines der Schiffe auch nur vor Troja angekommen. Neptun hatte mit Troja noch eine alte Rechnung, zu begleichen: Er und Apollo, der Gott der Sonne, halfen Laomedon, dem König von Troja, die Stadtmauern zu bauen. Laomedon betrog sie um den versprochenen Lohn. Poseidon sandte in der Folge als Rache ein schreckliches Meeresungeheuer um das Land zu verwüsten. Sein Zorn war damit aber noch nicht besänftigt.

Der Verlauf des Krieges soll hier nicht im Detail erzählt werden, sondern nur die Beteiligung der Götter daran aufgezeigt werden. Helenas Gatte forderte Paris vor Troja zum Zweikampf, der den Krieg entscheiden sollte. Menelaos siegte, doch Aphrodite entführte den Jüngling in einer sicheren Wolke. Agamemnon erklärte Menelaos zum Sieger und der Krieg schien beendet. Doch die Götter, zum Rat im Olymp versammelt, wollten mehr Blut sehen. Einzig Zeus stimmte für den Frieden. Hera, seine Gattin, stimmte ihn um, indem sie ihm erlaubte Mykenai, Argos und Sparta dem Erdboden gleichzumachen.

Die Troer konnten in der Folge bis an die Wälle der Griechen vordringen und Hera war so beunruhigt, dass sie aktiv ins Geschehen eingriff. Gesalbt, parfümiert, in verführerischem Gewand und mit Aphrodites erregenden Gürtel angetan, verführte sie Zeus zu einem göttlichen Schäferstündchen, während Poseidon den Griechen half, die Troer wieder zurückzuschlagen. Nur war Zeus nicht lange genug ausser Gefecht, damit der Krieg, der schon in seinem neunten Jahr war, endlich sein Ende hatte. Die Troer drangen schon bald wieder noch weiter vor, diesmal bis zu den griechischen Schiffen. Das Kriegsglück wechselte hin und her und beide Seiten waren permanent in arger Bedrängnis. Die Götter griffen dabei immer aktiver ein. Hephaistos, der göttliche Schmied, fertigte für den Troer Achill einen mächtigen Schild und neue Waffen. Achills Mutter, die Göttin Thetis, hatte Hephaistos dazu überredet. Athene streckte Ares mit einem Steinwurf nieder, Aphrodite wollte ihn in der Verkleidung eines Soldaten retten, als sie ein Schlag Athenes auf die Brust traf. Hera schlug gar Artemis Bogen und Köcher um die Ohren. Einzig Poseidon und Apollon blieben bei der ganzen Eskalation ruhig und begnügten sich in dieser Phase mit Worten.

Endlich nach zehn Jahren konnte Troja mit der bekannten List erobert werden. Die Griechen schenkten den Troern ein riesiges hölzernes Pferd. Im Pferd waren griechische Krieger versteckt, die warteten, bis die Troer das Pferd ins Innere der Stadtmauern gebracht hatten. Beinahe wäre diese List misslungen, denn der trojanische Priester Laokoon warnte seine Mitbürger eindringlich davor, das hölzerne Pferd nach Troja reinzubringen. Nach Vergil sagte er: „Ich fürchte die Griechen auch dann, wenn sie Geschenke bringen.” Athene schlug sich da ein weiteres Mal für die Griechen und brachte den Weisen zum Schweigen, in dem sie zwei Schlangen schickte. Diese stürzten sich auf die beiden Söhne Laokoons. Laokoon eilte zu Hilfe, wurde aber selbst umschlungen und alle drei wurden getötet. Diese Geschichte hat einen Künstler der Schule von Rhodos im dritten Jahrhundert vor Christus zu einer der berühmtesten Plastiken der Kunstgeschichte inspiriert. Die Laokoongruppe machte einen tiefen Eindruck auf Michelangelo und Plinius hielt sie für die grösste Leistung der antiken Plastik.

Von den Siegern kamen schliesslich nicht viele in ihre Heimat zurück, viele erlitten Schiffbruch, manche strandeten an fremden Küsten und gründeten dort neue Kolonien. Agamemmnon, der Führer der Griechen wurde erschlagen, als er seinen Palast betrat, denn seine Frau Klytaimnestra hatte sich in der Zwischenzeit einen neuen Mann genommen. Menelaos wurde bei Heimkehr durch einen Sturm verschlagen und irrte acht Jahre umher, bevor er mit Helena endlich die Heimat erreichte.

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Odysseus

Besonders berühmt ist die Rückreise von Odysseus. Er kam mit seinen Gefährten in starke Stürme und musste auf Trinakria (Sizilien) notlanden, wo die gigantischen einäugigen Zyklopen lebten. Er und seine Gefährten wurden vom Zyklopen Polyphemus in seiner Höhle festgehalten und Polyphemus verzehrte mehrere von Odysseus Leuten. Odysseus rettete die übrigen, indem er das Ungeheuer mit Wein in Schlaf lullte und ihm dann das einzige grosse Auge, das mitten auf der Stirn sass, ausbrannte. Polyphemus war aber Neptuns Sohn. Deshalb verhinderte der Gott die Heimkehr des Helden von Ithaka. Er verfolgte Odysseus mit wilden Stürmen und Geschöpfen, um sich zu rächen. Zehn Jahre brauchte Odysseus für seine Heimkehr und verlor dabei alle seine Begleiter. Er überlebte nur dank seinen berühmt gewordenen Listen und seiner Intelligenz. Nach vielen Jahren errichtete er Poseidon eine Gedenkstätte, um ihn zu besänftigen.

Poseidon hatte Odysseus übel mitgespielt, ohne Zweifel. Dazu aber doch paar relativierende Bemerkungen: Odysseus entspricht nicht unseren Vorstellungen von einem Helden. Sobald der Listenreiche, wie er genannt wurde, den Mund aufmachte, kamen Lügen raus und er war auch nie verlegen, einen Verrat zu begehen. Damit lag er aber voll im Trend der damaligen Zeit. Selbst die Göttin Athene lobte ihn seines Lügens wegen und zählte es zu seinen besonderen Reizen, um derentwillen sie ihn gerne hatte und um deretwillen sie sich immer wieder für ihn einsetzte. Um nur ein Beispiel zu nennen: Nach der Gefangennahme des troischen Kundschafters Dolon, versprachen ihm Odysseus und Diomedes das Leben, wenn er ihnen die verlangte Auskunft erteile. Kaum hatte dieser gesagt, was die beiden verlangten, töteten sie ihn trotz des Versprechens.

Die zehn Jahre, die Odysseus Neptuns wegen unterwegs war, erscheinen in einem etwas anderen Licht, wenn man sich vergegenwärtigt, dass er sich auf der Insel Aiaie ein geschlagenes Jahr mit der lieblichen Nymphe Kirke vergnügte. Die letzten acht Jahre verbrachte er als Geliebter von Kallypso auf deren Insel – offiziell unfreiwillig. Als er aber nach acht Jahren ernsthaft von Kallypso fortwollte, erreichte Athene ohne weiteres, dass Kallypso ihn ziehen lassen musste.

Derweil hielt zu hause seine Gattin Penelope die Fürsten ab, die ihr den Hof machten. Diese Freier lebten die ganze Zeit in Odysseus Palast und auf seine Kosten. Sie vergnügten sich und warteten bis Penelope sich entscheide. Penelope hielt sie hin, indem sie versprach, sie werde einen von ihnen heiraten, sobald ihr Gewebe, das sie in Arbeit hatte, vollendet sei. Um die Freier hinzuhalten, haspelte sie Nacht für Nacht wieder ab, was sie tagsüber gewoben hatte. Schliesslich entdeckten die Freier diese List und zwangen Penelope, die Arbeit fertig zu stellen. Im allerletzten Moment traf Odysseus nach nun zwanzigjähriger Abwesenheit (zehn Jahre Krieg und zehn Jahre Heimkehr) ein.

Um nun nicht allzu schönes Bild von Penelope zu malen: Als Odysseus heimkehrte, sonnte sich der inzwischen altersschwache Hund Argos, wie üblich auf dem dampfenden Misthaufen vor den Pferdeställen. Nur er erkannte seinen Herrn wieder und er fiel vor ungebändigter Freude tot um. Penelope aber liess sich nur schwer überzeugen, dass er ihr Mann sei und der Gedanke nicht mehr zwanzig Freier zu haben, fiel ihr gar nicht so leicht.



Neptun heute

Um Neptun ist es ruhig geworden. Heute gibt es kaum noch Leute, die an Mythen glauben. Am häufigsten muss Neptuns Name für Pizzerias herhalten. Das ist betrüblich, hat doch Pizzaessen eigentlich gerade gar nichts mit Neptun zu tun. Immerhin gibt es noch ein paar Reedereien, die seinen Namen tragen und – ein Lichtblick! – im Baselbiet halten ihn noch ein Tauchclub und ein Tauchshop in Ehren.

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Jürg Hauri

THE END



Quellenangaben: Siehe 1. Teil.

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Copyright © 2001 Jürg Hauri / Tauchclub Neptun Muttenz,
www.tcneptun.ch, jhauri@freesurf.ch