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CLUBHEFTLI TAUCHCLUB NEPTUN MUTTENZ HEFT Nr.2/2000 Shark Encounter in Nassau/Bahamas |
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Shark encounter, oder Begegnung mit Haien in den Bahamas was soll das? Sind Leute, die sich freiwillig den Haien aussetzen noch normal, kann ihnen noch geholfen werden? So lautete meine Frage, als ein Tauchkollege mir von der Haifütterung in den Bahamas erzählt hat. Bei seiner Erzählung konnte ich eine gewisse Faszination, aber auch ein gewisses Schaudern heraushören. Das war vor ca. 2 Jahren. Da über Haie soviel erzählt und geschrieben wurde, habe ich mich mehr mit diesen eleganten Räubern der Meere befasst. Ich habe mich speziell über die Gewohnheiten der Haie und deren Biologie informiert. Je mehr ich von diesen Fischen erfuhr, desto grösser wurde meine Faszination. Ähnlich den Wölfen werden die Haie von den Menschen als mordende Bestien dargestellt. (Nicht zuletzt durch den Film: Der weisse Hai von Spielberg). Nun, in diesem Jahr hatten wir geplant, einige Tage auf den Bahamas zu verbringen. Auch Tauchen stand, wie es sich für einen Taucher gehört, auf dem Programm. So habe ich bei dem Tauchoperator Dive-Dive-Dive für 2 Tage je 2 Tauchgänge gebucht. Ich wollte erst mal erkunden, was so auf mich zukommt und wie die Tauchgründe im Vergleich mit den von mir schon besuchten Tauchplätzen abschnitten. Beim ersten Tauchgang waren wir 5 Taucher, eine Tauchführerin und eine Kamerafrau, die das Abenteuer auf sich nahmen den Haien zu begegnen, was uns garantiert wurde. Es wurde uns auch erklärt, dass Menschen nicht auf dem Speisezettel der Haie stehen. Auch hatten schon 100 000 Taucher dieses Experiment unbeschadet überstanden! Nun eben, jetzt ging es zu meiner ersten Begegnung mit Riffhaien. Alle Teilnehmer schienen das bevorstehende Abenteuer locker anzugehen. Es wurde nur wenig bis gar nicht gesprochen. Ich konnte auch keine Anspannung beobachten. Als dann das Boot sich unserem Tauchplatz näherte, waren keine Rückenflossen von Haien zu sehen. Wir rüsteten uns sorgfältig aus, wurden nochmals instruiert und los gings. Die Kamerafrau war als erste im Wasser, dann folgte ich mit einer Rückwärtsrolle. Als ich mich dann umdrehte, sah ich im glasklaren Wasser die ersten Haie patrouillieren. Nachdem es alle ins Wasser geschafft hatten, tauchten wir der Ankerleine entlang ab und begannen, uns in der Umgebung umzusehen. Ein Hai schwamm langsam bis auf ca. 6m auf mich zu und beobachtete mich neugierig. Nun - ich hatte gelesen, dass man, wenn man auf einen Hai zuschwimmt, dieser sich zurückziehen würde. Ich musste Gewissheit haben es hat funktioniert. Ich war nun eine Erfahrung reicher. Die Tauchbegleiterin gab uns nun das Zeichen, ihr zu folgen, was die Haie und einige kapitale Zackenbarsche auch taten. Die Kamerafrau und unsere Tauchbegleiterin tauchten ruhig und ohne Hast, ungeachtet der uns begleitenden Haie, dem Riff entlang. Ihr ruhiges und sicheres Verhalten wirkte sich auch auf uns aus. Es wurde ein Erholungstauchgang, an den wir uns alle noch lange erinnern werden. Beim 2. Tauchgang am gleichen Tag wiederholte sich das gleiche Spiel. Jetzt war ich total entspannt. Diesmal nahm ich auch das schöne Riff die Stachelrochen und die anderen wunderschönen Fische mehr war, als beim 1. Tauchgang. Auf dem Rückweg liess ich mich dann überreden am folgenden Tag doch der Haifütterung beizuwohnen. Ich sagte zu. Meiner Familie erklärte ich, dass ich an diesem Tag wahrscheinlich mehr Haie zu sehen bekommen werde. Ich wurde vom Hotel abgeholt. Zu meinem Erstaunen war ich die Ruhe selbst. Auf der Tauchbasis wurden wir erneut über das Verhalten instruiert. Ich nahm eine Kamera mit, denn ich wollte dies für meine Familie festhalten. Am Tauchplatz angekommen, warteten die Haie schon auf uns. Sie kreuzten ruhig unter dem Boot durch. Als erste ging die Kamerafrau wieder ins Wasser, dann folgte ich, dann die restlichen 3 Taucher. Wir tauchten sofort ab. Ich zog es vor, in der Manier eines Fallschirmspringers mit gespreizten Armen und Beinen abzutauchen. Ich wollte stets die Übersicht behalten was da vor sich ging. Erstaunlicherweise hatte ich auch diesmal kein Angstgefühl, Respekt war trotzdem angesagt. Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste. Die Tauchführerin hatte sich mit einem Kettenhemd und ebensolchen Handschuhen ausgerüstet. Die Hände wurden zusätzlich in gelbe Handschuhe gesteckt, um zu vermeiden, dass die Haie ihre Hände, die sonst silbrig glänzten, nicht als Beute betrachteten. Die Kamerafrau positionierte uns dann am Boden in einem Halbkreis., dann gab sie der Tauchführerin das Zeichen zum Abtauchen. Sie hatte einen 10 Liter Plastikkübel, gefüllt mit Fischköpfen und sonstigen Überresten, die noch halb gefroren waren bei sich. Während ihres Abstiegs konnten wir ca. 20 - 30 Haie um , und über uns beobachten. Sie zogen gemächlich ihre Bahnen. Die Hailady plazierte sich dann mit den Ködern vor uns in einer Distanz von ca. 5m. Mit einer Eisenstange holte sie die Köder heraus. Mit dem Erscheinen der Hailady begann dann das Schauspiel. Jeder Hai versuchte der Erste zu sein. Respektvoll wurde aber den grössten Haien der Vortritt gelassen. Allmählich entstand eine sog. Fressucht. Mehrere Haie versuchten gleichzeitig zuzubeissen oder sich selbst aus dem Plastikkübel zu bedienen. Unsere Hailady blieb bewundernswert gelassen, selbst wenn ein Hai, wie mir schien sie streifte. Im direkten Vergleich zur Hailady waren die Haie 1,53 m lang. Ich vergass fast alles um mich herum. Ich war nur noch fasziniert von dem was sich vor meinen Augen abspielte. Die Eleganz, mit der die Haie ihre Runden zogen, war ein besonderes Erlebnis. Mir schien, als würde ich das Geschehen durch ein dickes Glas in einem Aquarium beobachten, ich war jedoch auf der Hut, ja keine brüsken Bewegungen zu machen, oder einen Hai zu berühren. Sie zogen so nahe an uns vorbei, dass es manchmal schwierig war, überhaupt ein Foto zu schiessen. Sie zogen so knapp über unsere Köpfe, dass ich, wenn ich noch Haare gehabt hätte, jetzt sicher eine Vollglatze abbekommen hätte. Schon bald waren alle Köder verfuttert, wie mir schien viel zu schnell. Die meisten Haie zogen wieder ab. Ungeachtet der verbleibenden Haie, legten wir uns bäuchlings auf den Boden und begannen nach abgebrochenen Zähnen zu suchen. Ich hatte Glück, konnte ich doch 2 Zähne, die die Haie bei der Fresslust abgebrochen hatten, als Souvenir mit nach Hause nehmen. Abschliessend möchte ich erwähnen, dass sich dieser Tauchgang für mich sehr informativ war. Konnte ich doch feststellen, dass ich bei einer Stresssituation, selbst wie dieser, ruhig Blut behalten kann. Es wird sich für meine weitere Zukunft als Taucher positiv auswirken, da ich mir durch dieses Erlebnis ein grösseres Selbstvertrauen erworben habe. Für mich war das keine mutige Tat, da ich nicht meine Angst, die nie vorhanden war, besiegen musste, sondern ein weiteres tolles Erlebnis. Es kann darüber streiten wer will aber versucht es doch selbst einmal, einfach toll! Anmerkung: Tauchveranstaltungen dieser Art, sollten jedoch nur mit einem versierten Tauchveranstalter, und nie auf eigene Faust unternommen werden. Bei richtigem Verhalten wie im WWF Heft (Panda Magazin 4/96) Haie Gejagte Jäger beschrieben, ist wohl Respekt, jedoch Angst fehl am Platz. Im Mai 2000, Paul Aeberli Weitere Unterwasserfotos von Paul Aeberli sind in unserer Fotogalerie zu sehen.
Copyright © 2000 Paul Aeberli, Jürg Hauri / Tauchclub Neptun Muttenz, jhauri@freesurf.ch |