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CLUBHEFTLI    TAUCHCLUB   NEPTUN   MUTTENZ     HEFT Nr. 1/1999


Vom Steinfisch gestochen.

Steinfisch

Ueber das richtige Verhalten bei Stichverletzungen durch giftige Meerestiere gibt es grundsätzlich verschiedene Meinungen.

In den Ausbildungsunterlagen des SUSV (1) heisst es:

„Gründliches Ausspülen (30–60 Min.) der Wunde mit heissem Wasser (50–60°C), da die Hitze das Eiweissgift zersetzt. Wunde kreuzweise einschneiden und mit dem Schnorchel aussaugen. Sehr heisse Wundbäder oder Kompressen unter Zugabe von Bittersalz zum Wasser ca. eine Stunde, Schmerzmittel. Bei Kreislaufproblemen sofort ärztliche Behandlung, Infusion, evt. Cortison, Calcium und Breitbandantibiotikum verabreichen.”

Auch Barthel (2) empfiehlt heisse Kompressen oder Baden der verletzten Gliedmassen in 50 bis 70°C (sic!) heissem Wasser, ausserdem das „Anlegen einer Stauung” oberhalb der Verletzungsstelle und Schmerzmittel.

Anders im Handbuch Tauchunfälle (3):

Hier steht nichts vom Verbrühen der Wunde; von kreuzweisem Einschneiden und Aussaugen mit dem Schnorchel wird abgeraten:

Erste Hilfe:
- Stachelreste vorsichtig entfernen
- Wunde säubern, ggf. Süsswasser, Seife, gründlich
  nachspülen
- Wunde nicht aussaugen oder einschneiden
- Schmerzmittel laut Angaben auf der Packung
- Schockbehandlung
- Transport zum Arzt/ins Krankenhaus

Arzt:
- Injektion eines Lokalanästetikums schafft kurzzeitige
  Linderung und erlaubt eine bessere Säuberung der
  Wunde
- Tetanus-Toxoid, wenn angezeigt
- Stachelreste (Rochen) chirurgisch entfernen

Die Ausführungen von Eichler (4) stimmen mit dem Handbuch für Tauchunfälle überein. Er liefert auch einleuchtende Begründungen, wieso man den bereits gemarterten Arm nicht noch zusätzlich verbrühen sollte:

„Wunde so schnell wie möglich mit warmem Wasser unter Druck ausspülen (Injektionsspritze ohne Nadel), möglichst mit einem Zusatz von Wunddesinfektionsmittel. Alle Gifte, die durch die Stacheln von Rochen, Korallenwelsen, Steinfischen, Skorpionfischen, Teufelsfischen, Feuerfischen oder Petermännchen injiziert werden, sind Eiweissgifte, die in ihrer Zusammensetzung nicht genau bekannt sind. Das Eiweiss gerinnt bei 53°C und das Gift wird inaktiv. Deshalb wurden Giftstiche bisher mit heissem Wasser behandelt, was jedoch zu Verbrühungen führen kann, da das Zelleiweiss bei der gleichen Temperatur gerinnt. Bei derartigen Behandlungsmethoden sind die Brandverletzungen oft schlimmer als die Giftwirkung. Die Heisswasserbehandlung ist mittlerweile sehr umstritten, und das mit gutem Grund: Der Blutkreislauf arbeitet wie eine Klimaanlage und transportiert lokal einwirkende Hitze durch Erweiterung der Blutgefässe schnell ab, so dass es nicht zu der gewünschten Gerinnung kommen kann. Auch kann das Gift, das sich bereits in der Blutbahn befindet, nicht mehr durch Wärme inaktiviert werden. Es ist deshalb dringend von einer Heisswasserbehandlung abzuraten.”

So muss wohl jeder selbst entscheiden, an welche Ratschläge es sich halten will. Mir jedenfalls, fällt der Entscheid nicht schwer.

Jürg Hauri

(1)  Schweizer Unterwasser-Sport-Verband:
       Zweistern-Theorie (1995)

(2)  L. Barthel. Petermännchen Trachinus.
       taucher revue Nr. 87 (1997)

(3)  J. Lippmann und S. Bugg. Handbuch Tauchunfälle.
       Delius Klasing, Edition Nagelschmid (1995)

(4)  D. Eichler. Gefährliche Meerestiere erkennen.
       BLV, München (1998)

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